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Gemeindebote der Evangelisch-Lutherischen Christuskirche Schnaittach
 
AUS DEM EV. KINDERGARTEN "DIE ARCHE"

Jahreslosung für 2010:
Jesus Christus spricht:
Euer Herz erschrecke nicht.
Glaubt an Gott und glaubt an mich
(L) Johannes 14, 1

" Jakobus 5,13-16 "

Gottesdienst am 19. Sonntag nach Trinitatis (22.10.2006)
Tag der Wahl zum Kirchenvorstand
Evang.-Luth. Christuskirche Schnaittach

Julian Lucas Udo Lehnerer empfängt die Heilige Taufe
VOM DIENST AN DEN KRANKEN (Jakobus 5,13-16)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

Heute wird der Kirchenvorstand gewählt. Diese Männer und Frauen leiten unsere Kirchengemeinde. Sie sollen helfen Türen zu öffnen, damit Gott sich zeigen kann, damit er uns begegnet – und wir darüber froh werden - und ermutigt, ihm zu vertrauen.
Sie sollen die Voraussetzungen schaffen, damit Gottes Wort unser Leben bestimmen kann.

Lassen sie uns das einmal an einem Beispiel deutlich machen.
Dafür hören wir auf das Bibelwort, das uns für diesen Sonntag vorgegeben ist: Jakobusbrief, Kapitel 5, 13-16.

Es geht darin um den Dienst an den Kranken in der Gemeinde der Christen. (Lesung)

(13) Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. (14) Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn. (15) Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden. (16) Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.

Liebe Gemeinde!
Wir entnehmen dem Bibelwort geistliche Regeln. Sie zeigen uns, wie wir uns in Zeiten der Krankheit verhalten sollen. Zugleich geben diese Regeln Hilfen für den Dienst der Gemeinde an ihren Kranken.

Die (1.) Regel lautet: Die Hoffnung für Zeiten der Krankheit wird schon in gesunden Tagen gepflanzt.

Nicht alle Tage sind gleich. Auch nicht die, an denen wir uns bester Gesundheit erfreuen. Wir mögen gesund sein, aber trotzdem bedrängt uns manches und macht uns das Leben schwer. Oder wir sind gesund und wir erleben Glück und Freude.
Aber egal, was wir erleben (meint Jakobus hier) nichts soll Gott auf die Seite drängen. Höhen oder Tiefen, jede Lebenslage sollen wir mit IHM in Verbindung bringen. Jede Situation können wir von IHM her sehen und mit IHM zusammen durchgehen.

„Leidet jemand unter euch, der bete, ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen“ (V.13). Gott will also, dass wir in jeder Verfassung mit ihm in Kontakt bleiben. Alles, was mich bedrückt sage ich ihm im Gebet. Ich brauche nicht den Fröhlichen zu spielen. Ich bin ehrlich vor ihm. Alles darf zu einem Gebet werden: Mein Ärger, meine Enttäuschung, mein Schmerz. Ich sage es ihm. Ich klage es ihm. Es gibt nichts, wo ich Gott ausklammern müsste. Alles, was ich durchgehe, alles, was ich empfinde, - ich erlebe es mit ihm. Die tiefsten Abgründe bringe ich ihm in der Klage. Und die höchsten Höhen von Freude und Lust und Glück bringe ich ihm im Dank, in meinen Lobliedern.
So bleibe ich nicht allein mit mir selbst. So bleibe ich mit Gott verbunden, egal, was ich auch erlebe. „Leidet jemand unter euch, der bete, ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen“ (V.13).

Es tut Not, dass wir das jetzt schon einüben, also in gesunden Tagen, weil es sonst in Krankheitstagen nicht mehr geht oder nur sehr schwer. Darum lautet die (1.) Regel: Die Hoffnung für Zeiten der Krankheit wird schon in gesunden Tagen gepflanzt.

die (2.) Regel heißt: Der Kranke daheim oder in der Klinik soll sich selber melden.
Nun kommen die Krankheitstage, oft unerwartet, ganz plötzlich. Man erlebt es wie einen Überfall. In unserem Bibelwort heißt es: „Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde“ (V14a). – „… der rufe zu sich“. Der Kranke soll also ein Signal geben, telefonisch oder schriftlich oder durch Angehörige, Nachbarn.
Viele Gemeindeglieder melden sich überhaupt nicht, entweder aus falschem Stolz oder aus falscher Scham. Vielleicht meinen sie, sie würden sich dadurch wichtig machen und andere könnten dann darüber reden. Vielleicht melden sich auch deshalb so wenige, weil sie ganz selbstgefällig meinen, jeder in der Gemeinde müsse doch ganz selbstverständlich von ihrer Krankheit wissen.

„Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde“
(V14a). Nach dem Arzt ruft man ja auch ungeniert. Das ist ein praktischer Schritt des Glaubens. Den müssen wir gehen und andere sollen wir dazu ermutigen.
Die (2.) Regel heißt darum: Der Kranke daheim oder in der Klinik soll sich selber melden.

Und (3.) Der Kranke braucht jetzt die Gemeinde – und er hat ein Recht auf ihren Besuch.

Kranke und Schwache hat Gott besonders im Blick. Ihnen gilt seine besondere Fürsorge. Jesus hat das gelebt und gezeigt. In diese Fürsorge Gottes sind wir als Gemeinde mit hinein genommen. Wir sind dazu beauftragt. Der Apostel Paulus vergleicht einmal die Christen mit dem Körper eines Menschen.

Alle Glieder des Körpers gehören zusammen und sie sind füreinander da. „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle mit.“ (1. Kor. 12,26). – Darum hat die Gemeinde ein offenes Herz für ihre kranken Glieder und lässt sie nicht allein.

Damals kam die Gemeinde in der Gestalt der „Ältesten“. „Wer krank ist, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde“ (V14a ). Das waren nicht unbedingt dem Alter nach die Ältesten. Gemeint waren damit geistlich erfahrene und im Glauben gereifte Gemeindeglieder. Leute, die Verantwortung in der Gemeinde übernommen hatten. Heute wären das z.B. Kirchenvorsteher und andere Mitarbeiter. Es geht also nicht allein um den Pfarrer oder die Pfarrerin. Man sollte uns alle rufen können, - uns alle!
Denn jeder Kranke braucht Stärkung und Aufmunterung und Ermutigung und die Fürbitte christlicher Brüder und Schwestern.

Aus diesem Grund lautet die (3.) Regel: Der Kranke braucht jetzt die Gemeinde – und er hat ein Recht auf ihren Besuch.

(4.) Die Gerufenen sollen mit dem Kranken o. für ihn beten.
Das war früher selbstverständlich. Heute ist das Gebet am Krankenlager schwieriger geworden, v.a. in der Klinik, wenn mehrere im Zimmer liegen.
Wird es verlangt, dann ist es kein Problem. Wird es nicht verlangt, dann entscheidet der Ernst der Situation, der Verlauf des Gesprächs, das Einfühlungsvermögen dessen der besucht, ob es angebracht ist oder nicht.

Pflegekräfte können leichter mit Kranken beten. Man kann es niemandem als Pflicht auferlegen. Es gibt auch eine aufdringliche Art von Frömmigkeit, die andere abstoßen kann. Man kann da nicht ein Gebetleben beginnen, wo alle Voraussetzungen fehlen. Aber wie oft wird das Angebot auch angenommen und die Menschen sind von Herzen dankbar.

Die Fürbitte bleibt immer. Und es ist gut in sie auch die Angehörigen des Kranken mit einzuschließen. Oft sind gerade sie es, die es dem Kranken schwer machen. Sie verhindern, dass er das, was ihm auferlegt ist, annehmen kann. Durch diese Krankheit fühlen sie sich in ihren Kreisen gestört. Dabei könnte darin die Chance liegen, anzuhalten, sein Leben anzuschauen und Bilanz zu ziehen.

Wenn wir für einen Menschen beten, dann hat das nichts Magisches. Es ist kein Gemurmel von Zaubersprüchen, kein Amulett mit Worten. Vielmehr kommen wir zu Gott wie Kinder zu ihrem Vater kommen. Wir kommen mit leeren Händen und bitten ihn, uns zu versorgen. Wir kommen im Vertrauen; denn ER hat alle Macht und Kraft. Wir kommen in der Erwartung: Unser Vater wird es schon richten. Er meint es ja doch gut mit uns.

Darum heißt die (4.) Regel: Die Gerufenen sollen für den Kranken oder mit ihm beten.

Und (5.) Gott kann helfen und den Kranken aufrichten.
Es sind die ganz schlichten und einfachen Mittel, um die es geht. Die Gemeinde braucht sie zu Dienst an ihren Kranken: Der stille Besuch, das gemeinsame Gebet, die einsame Fürbitte, der Zuspruch des Segens. Auf diesen einfachen Mitteln ruht eine große Verheißung. „Das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen und der HERR wird ihn aufrichten“ (V15).

Glauben wir ihm das? Trauen wir ihm das zu? Es geht nicht darum, wie wir uns einschätzen. Es geht darum, was wir von Gott erwarten.

Da war eine Frau, so um die 60. Sie lag schwer krank in der Klinik. Die Ärzte riefen ihren Mann und teilten ihm mit, dass sie nichts mehr für sie tun könnten. Darauf hin nahm der Mann seine Frau mit nach Hause, damit sie dort sterben könnte, wie sie es wünschte. Zum Weihnachtsfest wurde sie nach Hause gebracht. Am zweiten Weihnachtstag rief der Mann den Gemeindepfarrer, schilderte ihm die Situation und bat darum, mit seiner Frau noch einmal das Abendmahl feiern zu können.

Der Pfarrer las in dieser Zeit sehr intensiv diese Stelle aus dem Jakobusbrief. Er rief einige Kirchenvorsteher und geistlich erfahrene Gemeindeglieder zusammen. Sie bereiteten den Besuch vor. Bibelworte und Gebete wurden abgesprochen. Sie wollten sich miteinander ganz auf die Bitte um Heilung für diese Frau konzentrieren. Dann kam der Besuch. Die Kirchenvorsteher beteten nacheinander für die Gesundung der Frau. Der Pfarrer segnete sie mit Handauflegung und salbte sie mit Öl im Namen des Herrn, so wie es hier im Jakobusbrief heißt. Beim Abendmahl konnte die Frau den Kopf nicht mehr heben. Der Pfarrer musste die Hostie in den Wein tauchen, um sie ihr in den Mund zu geben. - Kurz nach seiner Heimkehr rief der Mann der kranken Frau im Pfarramt an und sagte dem Pfarrer unter Tränen, seine Frau habe zum ersten Mal wieder den Kopf heben können.

An Ostern war sie dann wieder im Gottesdienst in der Kirche.
Jesus Christus hat die Macht. Er ist heute derselbe wie gestern. Trau es ihm zu!
Es geht ja nicht darum, ihn zu zwingen. Natürlich ist er souverän.

Er kann heilen oder er tut es nicht. „Das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen“ (V15). Wörtlich heißt es: es wird ihn „retten“. Also auch da wieder ganzheitlich, im umfassenden Sinn. D.h. „retten“ davor, dass er ohne Gott für immer verloren geht.
„…und der Herr wird ihn (=den Kranken) aufrichten“ (V15). D.h. es wird besser mit ihm werden. Das meint also nicht in jedem Fall die körperliche Heilung. Manchmal ist es die Kraft, das Leid zu tragen und im Vertrauen auf Gott zu durchgehen.
Die (5.) Regel lautet: Gott kann helfen. Das steht in seiner Souveränität

Und (6.) Heilung ist mehr als Gesund werden

Jesus ging es nie darum, Menschen zu heilen, damit sie anschließend so weiter leben wie vorher. Seine Heilungen waren Zeichen. Sie haben über sich hinaus gezeigt. Sie waren Wegzeichen in ein neues Leben, Signale für die Herrschaft Gottes. – Gott ist der Herr, darum stellt euch darauf ein! Kehrt um! Biegt ein auf seinen Weg!  
Heilung ist mehr als Gesundwerden. Sie bleibt eingebettet in die Beichte. Gottes Sorge um uns ist umfassend und ganzheitlich. Also nicht „Hauptsache gesund“, sondern „Hauptsache heil – an Leib und Seele“, Hauptsache umkehren, sein Leben auf Gott einstellen, Schuld abladen, neu anfangen.

Krankheit ist nicht nur eine Funktionsstörung des Körpers. Der Mensch ist keine Maschine. Unser Körper ist nicht zu trennen von unserer Seele. Wir wissen doch, dass viele Krankheiten psychische, also seelische Ursachen haben. Aufmerksame Bibelleser wissen das schon lange. Manche Krankheit kann (ich sage ausdrücklich kann) ihren Ursprung in verdrängter, unbereinigter Schuld haben.  

Wenn wir an anderen Menschen und an Gott schuldig werden und es nicht zur Aussprache, zur Klärung und Vergebung kommt, dann wirkt die Schuld weiter, oft heimlich oder auch offen. Es wachsen Groll und Verbitterung. Das, was gewesen ist, können wir zwar verdrängen, aber nicht vergessen. Das wissen wir aus der Psychologie. So kriecht sich das heimliche Wissen um Schuld in irgend einen Winkel unseres Wesens. Dort bleibt es nicht untätig. Unvergebene Schuld wirkt zerstörend und zersetzend.

Dass jemand unleidlich und gereizt reagiert ist vielleicht noch das Harmloseste. Unbereinigte Schuld frisst sich hinein in unser Wesen und verursacht körperliche Störungen und Krankheiten.

Es gibt kein Heilwerden ohne Umkehr, ohne Vergebung. Deshalb heißt es hier: „Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet“

(V16).
Also: Versteckt sie nicht! Brecht das Geheimnis. Hört auf mit dem Versteckspiel. Bringt sie ins Licht, zu Gott. Ihr dürft es Gott sagen und aussprechen, was falsch war. Das tut gut. Bei ihm kann man abladen. Er wartet darauf, dass wir kommen.

„Bekennt also einander eure Sünden“ –
Es ist hilfreich, dies vor einem Zeugen zu tun. Er legt mir dann die Hände auf und spricht mir im Namen Gottes die Vergebung zu.
Dieser andere ist nicht besser als ich. Er braucht die Vergebung genauso dringend. Aber er wird mir zum Zeugen Gottes. Er versichert mich der Liebe und Treue Gottes.

So wird man ermutigt zur Versöhnung mit dem Menschen, an dem man schuldig geworden ist und bereit, Zerwürfnisse zu bereinigen, das vielleicht längst fällige Wort zu sprechen.

Erfahrene Vergebung kann sich bis ins Körperliche hinein auswirken. Darum heißt es hier: „Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet“ (V16).

Liebe Gemeinde, das sind sechs geistliche Regeln, entnommen aus dem Brief des Jakobus. Sie zeigen uns, wie wir uns in Zeiten der Krankheit verhalten sollen. Zugleich geben sie uns Hilfen für den Dienst der Gemeinde an ihren Kranken.
Und die Kirchenvorsteher, die heute gewählt werden, werden sich z.B. fragen müssen: Was muss geschehen, damit diese geistlichen Regeln beherzigt werden und Platz greifen.

Denn Gottes sorge für uns ist ganzheitlich. Er meint uns mit Leib und Seele.

Amen.

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