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Gemeindebote der Evangelisch-Lutherischen Christuskirche Schnaittach
 
AUS DEM EV. KINDERGARTEN "DIE ARCHE"

Jahreslosung für 2012:
"Meine Kraft ist in den
Schwachen mächtig."
(2. Korinther 12,9)

" Markus 1,16-20"

Gottesdienst am Sonntag,
11. Februar 2007 (Sexagesimae)

Evang.-Luth. Christuskirche Schnaittach

Leon März (1.Mose 12,2)
Lucia Anna Meier (Ps.91,11)
Noah David Meier (Ps.62,3)

empfangen die Heilige Taufe

Die ersten Gehversuche
Was es heißt, Jesus nach zu folgen

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

Lesung Markus 1,16-20

(16) Als Jesus am Galiläischen Meer entlang ging, sah er Simon und Andreas, Simons Bruder, wie sie ihre Netze ins Meer warfen; denn sie waren Fischer. (17) Und Jesus sprach zu ihnen; folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! (18) Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach. (19) Und als er ein wenig weiter ging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes seinen Bruder, wie sie im Boot die Netze flickten. (20) Und alsbald rief er sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus im Boot mit den Tagelöhnern und folgten ihm nach.

Liebe Gemeinde,

wir haben heute drei kleine Kinder getauft. Wir haben Leon, Lucia und Noah der Liebe Gottes anvertraut. Wie geht es nun weiter? Wir wünschen uns, dass dieses Geschenk der Taufe in ihnen wächst und sich in ihrem Leben mehr und mehr entfaltet. Und worum geht es dabei? Wir haben es in unserem Bibelwort für heute gehört. Es geht um die ersten Gehversuche. Es geht darum, Jesus nachzufolgen.

Ich will es in fünf Sätzen deutlich machen, was das heißt.

(1.) „Nachfolgen“ ist ein Tun-Wort.

Das heißt Nachfolge ist nichts Statisches, sondern etwas Dynamisches. Glauben meint im Neue Testament nicht einen Zustand, der ein für allemal festgeschrieben ist, sondern einen lebendigen Prozess. Glauben ist auch keine bloße „Gesinnung“, sondern eine Lebensbewegung.
So wie wir uns für Leon, Lucia und Noah wünschen, dass sie bald in die Gänge kommen. Das steckt in ihnen drin. Normalerweise wird sich das durchsetzen. Irgend wann wollen sie auf die Beine und dann geht´s ab. – So ähnlich ist das auch mit Jesus. Ihm nachfolgen heißt sich bewegen, voranschreiten, vorankommen, sich niemals festsetzen, unterwegs bleiben, niemals wirklich angekommen sein. – Mancher bleibt geistlich gesehen sein Leben lang im Kinderwagen und bewegt sich nur, wenn andere ihn schieben. Aber so ist das nicht gedacht
In frommen Kreisen hört man manchmal den Satz: „Ich stehe im Glauben“ . Genau darum geht es in der Nachfolge nicht. Wir sollen nicht stehen , sondern gehen . Wir sollen vorankommen. Wer im Glauben „steht“, kann mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass Jesus schon längst woanders ist, dass er schon längst weitergegangen ist. Die Antworten von gestern reichen für die Fragen von heute nicht aus.

(2.) Nachfolge ist Lebensgemeinschaft, eine persönliche Beziehung. Ich sagte: "nachfolgen" sei ein Tun-Wort. Aber das darf man nicht missverstehen, als ob es um ein rechtes Verhalten ginge. Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Das, was uns zu Christen macht ist nicht ein Verhalten , sondern ein Verhältnis . Natürlich ist Nachfolge ein lebendiger Prozess, eine Lebensbewegung, aber diese Bewegung bleibt doch an die Person gekoppelt, der wir da nachfolgen. Nimm von einer vermeintlich christlichen Handlung die Person Jesu weg und die Handlung ist nicht mehr christlich. Darum gibt es auch keine allgemeine christliche Moral, die von der Person Jesu isoliert wäre. Es ist die Lebensbeziehung zu Christus, die unser Tun und Handeln erst christlich macht. Unsere aller erste Berufung durch die Taufeist nicht, etwas für Jesus zu tun, sondern mit ihm zusammen zu sein, eine persönliche Beziehung zu pflegen.

Das ist wie bei Leon, Lucia und Noah. Das Primäre, das Wichtigste für sie ist die Beziehung zu Mama und Papa. In der leben sie. Die genießen sie. Sie lassen sich beschenken und versorgen mit allem, was sie brauchen. Später werden sie auch mal im Haushalt mithelfen und sich auch anders nützlich machen. Aber selbst dann ist das Zusammensein mit Papa und Mama das Entscheidende.

So ähnlich ist das in der Beziehung zu Christus auch. Ihm nachfolgen meint, diese Beziehung zu ihm pflegen, in ihr leben.
O.k., Kinder müssen sich irgendwann abnabeln von ihren Eltern. Da hat dieses Beispiel seine Grenzen. Für Christen aber bleibt das Zusammensein mit Christus das Entscheidende.

Ich muss da an die Geschichte von Maria und Martha denken. Diese beiden Schwestern stehen beide für eine bestimmte Form des Christseins (vgl. Lukas 10, 38-42).
Martha dient Jesus. Sie sorgt und müht sich in geradezu rührender Weise um Jesus. Sie tut und macht und werkelt. Wenn man die Geschichte liest, hört man förmlich die Kochtöpfe klappern und den Staubsauger summen.
Maria dagegen setzt sich Jesus zu Füßen und hört ihm einfach zu. Sie vergisst alles um sich herum, weil sie mit Jesus zusammen ist. Und Jesus attestiert ihr, dass sie das bessere Teil erwählt hat. - Und dann sagt er noch, dass wir genau das als Jüngerinnen und Jünger Jesu dringend brauchen, genau das tut und Not, genau das sucht er bei uns.
Ich überlege mir, was sich in unserer Gemeinde ändern würde, wenn wir begönnen, damit Ernst zu machen. Ich glaube, das würde unsere Gemeinde von Grund auf verändern. Ich stelle mir nur vor, was passieren würde, wenn unsere 180 Mitarbeiter beschlössen, erst mal mit Jesus zusammen zu sein - und erst dann etwas für ihn zu tun. Wenn der Maßstab, den wir an uns selbst und an andere anlegen, nicht der wäre, was wir für Jesus tun, sondern wie viel Zeit wir mit ihm verbringen.
Ich überlege, was das für meine eigene Arbeit bedeuten würde. Wenn ich die Anzahl meiner Dienststunden zurückschrauben würde, weil ich beschließe, in Zukunft nicht mehr so viel für Jesus zu tun , sondern mehr mit ihm zusammen zu sein - und wie andere das wohl deuten würden! Und ich frage mich manchmal, ob all mein Tun überhaupt noch Nachfolge Jesu ist, so wenig, wie ich manchmal die Stille suche, um zu beten.

(Unser Kirchenvorstand beschäftigt sich aus gegebenem Anlass mit der Ausschreibung einer Pfarrstelle. – Worauf kommt es dabei wirklich und letztlich an? Darüber will ich nächsten Sonntag predigen)

(3.) Der Ruf zur Nachfolge ist an keine besonderen Bedingungen geknüpft. Jesus hat die unterschiedlichsten Menschen in seine Nachfolge gerufen. Hier lesen wir von vier Fischern. Das ist eine ziemlich einheitliche Gruppe. Aber man sollte sich nicht täuschen. Der Haufen, den er sich zusammensuchte, war eine ziemlich bunt gewürfelte Truppe: arm und reich, einfach und gebildet, jung und alt (Johannes z.B. war sehr wahrscheinlich noch Teenager), Fromme und alles andere als Fromme, Linke und Rechte. Wir kennen den Verteilungsschlüssel nicht. Es werden auch keine Bedingungen formuliert.
Da ist nur der Ruf: „Komm und folge mir nach!“ Also: Komm mit, geh mit mir, häng dich an mich. Wer immer bereit ist, diesem Ruf Folge zu leisten, kann mitkommen. –

Man muss sich das buchstäblich mal vorstellen: Da sind Leute bei der Arbeit - und Jesus kommt vorbei und spricht nur ein einziges Wort und diese Menschen gehen mit. Sie lassen alles stehen und liegen! Was war da in ihnen vorgegangen? Waren sie leer, wie verzweifelt, überdrüssig ihres alten Lebens? Oder waren sie zumindest so voller Sehnsucht? Man muss dazu gar nicht verzweifelt sein, im Gegenteil. Es ist ja durchaus denkbar, dass ein Mensch in der Fülle seines Lebens steht und gerade dort spürt, dass ihm etwas fehlt.

Jesus knüpft seinen Ruf an uns an keine Bedingung. Aber wer nicht in Kontakt mit dieser seiner innersten Sehnsucht steht, der wird diesem Ruf wahrscheinlich nicht Folge leisten.

Der Kirchenvater Augustin sagt : "Du hast uns zu dir hin geschaffen, o Gott, und unruhig ist unser Herz, bis es Frieden findet in dir". Das ist einfach wahr. Egal, wo wir herkommen, egal, wo wir stehen. Ich glaube, dass dieser Satz einfach stimmt - für jeden und jede von uns. Aber es gibt Menschen, die stehen in Kontakt mit dieser ihrer innersten Sehnsucht und es gibt Menschen, die verdrängen das, überlagern das mit anderem, sind sich dessen nicht bewusst. Auch sie sind berufen, aber ob sie dem Ruf Jesu Folge leisten? Jesus stellt keine Bedingungen, aber wir müssen bereit sein, nicht nur auf seine, sondern auch auf die Stimme unseres Herzens zu hören.

(4.) Nachfolge gibt es nur in der Gemeinschaft mit anderen. Jesus beruft uns nicht allein. Wir leben in einer Zeit, in der der Glaube des Einzelnen allgemein als dessen ureigene Angelegenheit angesehen wird. Die Individualisierung hat auch vor der Religion nicht halt gemacht. Der Satz: „Glaube ja, Kirche nein" ist ein gängiges Schlagwort geworden. Die Menschen sind der Ansicht, dass sie ihr Christsein auch für sich allein leben können. Jeder soll nach seiner Fasson selig werden. Und es ist nicht einzusehen, weshalb wir „groß darüber reden“ oder gar „ ständig in die Kirche rennen“ sollen.

Natürlich ist es jedem unbenommen, zu glauben, was er möchte, aber diese Haltung hat mit Christsein wenig zu tun. Wir können die Gemeinschaft mit anderen Christen nicht ausblenden. Die Auffassung, man könne sein Christsein nur für sich oder innerhalb eines ganz engen persönlichen Rahmens leben, stellt alles auf den Kopf, was uns das Neue Testament über das Christsein erzählt.

Jesus ist weder gekommen, um uns eine neue Moral zu bringen, noch um unsere religiösen Gedanken und Gefühle zu bereichern, sondern er wollte eine Gemeinschaft ins Leben rufen. Von den ersten Tagen seines öffentlichen Wirkens an arbeitete Jesus an der Aufgabe, diese Gemeinschaft zu formen. Sie sollte den Grundstock zu seiner späteren Gemeinde bildeten. So sammelte er Menschen. die hatten zunächst wenig miteinander gemein. Aber er formte daraus jene Gemeinschaft, die später die Welt verändern sollte.

Alles an seiner Lehre war auf Gemeinschaft ausgelegt. Wenn er seine Jünger mit einem Auftrag wegschickte, so immer mindestens zu zweien (vgl. Markus 6,7; Lukas 19,29).
Die meisten seiner Gebote sind weniger allgemeine Regeln für die Menschheit als vielmehr spezielle Anweisungen für das Leben innerhalb der Gemeinschaft der Jüngerinnen und Jünger Jesu.
Seine großen Verheißungen gelten ebenfalls der Gemeinschaft und nicht dem Einzelnen (vgl. Matthäus 16,18; 18, 19-20; Apg 1,8 u.v.a.).
Selbst als Jesus seine Jünger beten lehrte, hieß er sie sprechen: „Vater unser " - und nicht etwa „ mein Vater". Wir können uns als Christen nicht auf unseren "Vater im Himmel" beziehen, ohne uns gleichzeitig mit denen verbunden zu wissen, die ebenfalls Kinder dieses Vaters und somit unsere Geschwister sind.
Das Christentum ist eine Gemeinschaftsreligion. Wir brauchen die Gemeinschaft der anderen Christen, um überhaupt zum Glauben zu kommen, und wir brauchen sie erst recht, um im Glauben zu wachsen und zu reifen. Wir brauchen andere Christen, die uns anspornen, ermutigen und korrigieren. Wir brauchen auch Leute, an denen wir uns manchmal reiben. Wir brauchen diese Menschen - ebenso, wie sie uns brauchen. Allein geht man ein! Darum sagt Graf Zinzendorf mit Recht: „Ich statuiere kein Christentum ohne Gemeinschaft.“

Durch die Taufe sind Leon, Lucia und Noah in die Gemeinschaft der Christen hineingetauft worden. Wir haben sie begrüßt: „Herzlich willkommen in der Gemeinde!“

Ich denke, wir müssen uns heute ganz neu bewusst machen: Ein Christ ist kein Christ. Es gibt keine Nachfolge ohne Gemeinschaft. Wir brauchen die Gemeinschaft der anderen, wenn wir als Christen wachsen und reifen wollen - und diese Gemeinschaft braucht uns. Darum ist Glauben im christlichen Sinne zwar immer persönlich, aber niemals privat. Wer versucht, sein Christsein für sich alleine zu leben, bleibt blind für das, was Gott ihm doch schenken möchte und auf Dauer wird er scheitern.

(5.) Nachfolgen heißt, Menschen für Jesus gewinnen.

"Ich will euch zu Menschenfischern machen" , sagt Jesus. Wenn Menschen mit Jesus zusammen leben, strahlt das nach außen hin aus. Es zieht Kreise. Schon in unserem Bibeltext von heute ist das sichtbar. Jesus beruft zwei Fischer - den Petrus und den Andreas - und direkt danach bekehren sich die nächsten zwei Fischer. Und wer weiß, ob sie es getan hätten, wenn Petrus und Andreas nicht schon dabei gewesen wären. Die wenigsten von denen, die Jesus nachfolgen wurden direkt "senkrecht von oben" von Gott bekehrt. Für die meisten waren Menschen wichtig, die Jesus nachfolgten. Für die meisten von uns war es gut, zu wissen: Der ist auch mit dabei. Oft hat Jesus gar nicht direkt zu uns gesprochen, sondern durch diese Menschen oder doch zumindest in Zusammenarbeit mit ihnen.
Jesus nachfolgen heißt: Werbung für ihn machen. Eine Werbung für ihn sein. Und zwar mit dem, was wir sind und was wir können. Genau dort setzt Jesus bei Simon und bei Andreas an: Es sind Fischer, also macht er sie zu Menschen-Fischern. Ja, es gibt einen Bruch zum Vorherigen, es gibt aber auch eine Kontinuität. Es gibt neue Gaben, Jesus nimmt aber auch die alten, unsere natürlichen Gaben und unsere erlernten Fähigkeiten in Gebrauch, um Menschen für sich zu gewinnen.
Jesus nachfolgen heißt: Ich stelle das, was ich kann und bin, in aller Unvollkommenheit und aller Gebrochenheit in seinen Dienst. Wenn ich reden kann, werde ich reden. Wenn ich die Gabe der Barmherzigkeit habe, werde ich Werke der Barmherzigkeit tun. Wenn ich organisieren kann, diene ich Jesus, indem ich ihm meine organisatorischen Fähigkeiten zur Verfügung stelle. Wenn ich handwerklich begabt bin, will ich das einbringen.
Das Ziel aber ist letztendlich immer das Eine: dass Menschen für Christus gewonnen werden. Es gibt keine Nachfolge, die das nicht letztlich zum Ziel hat.
Heute sammeln wir am Ausgang für „Jesus-House“. Das ist eine Jugendwoche, fünf Abende in Lauf, bei denen in der Sprache junger Menschen und in Formen ihrer Kultur zu einem Leben mit Jesus Christus eingeladen wird. Junge Menschen für Jesus gewinnen, darum geht es uns.

Ein Satz, den ich sehr mag, lautet: „Ein Heiliger ist jemand, durch den es mir leichter fällt, an Gott zu glauben.“ In diesem Sinne wollte ich immer ein Heiliger sein. Nicht ein Heiliger im landläufigen Sinne, aber mein Leben dafür einsetzen, dass ich Menschen für Christus gewinne. In der Hoffnung, dass Gott mich trotz aller Ecken, Macken, Abgründe und Schwachheit gebrauchen will. Wir werden nie aufhören, Sünder zu sein. Wir können unsere Haut nicht abstreifen. O.k., wir werden manche Grenzen sprengen und überwinden, viele aber werden wir behalten und manchmal werden wir an völlig ungeahnten Punkten aus der Kurve fliegen. Nein, Nachfolge ist wahrhaftig kein Ritt auf Wolken.

Aber das glaube ich, dass wir trotzdem aus der Gemeinschaft mit ihm - Jesus - heraus die Welt verändern werden. Dass wir nicht nur die übliche Spur der Zerstörung hinter uns lassen, wie das bei allen Menschen der Fall ist, sondern dass Gott unser Leben benutzen will, eine Segensspur durch diese Welt zu ziehen.

Gott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen. Jetzt wächst es auf. Erkennt ihr denn nicht?

Die einzige Voraussetzung ist, dass wir in der Gemeinschaft mit Jesus bleiben und uns in sie immer mehr einwurzeln, uns von seiner Liebe berühren und verändern lassen. – Amen.

Amen.

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